Neben Grundwissen zur Lyrik bietet diese Präsenz Texte zur Auseinandersetzung mit Lyrik sowie natürlich lyrische Texte

Die Präsenz befindet sich im Aufbau.

 

Eine junge Frau trägt Blumen im Haar.
Ältere lächeln dazu. Doch das Ewige leuchtet
aus dem auf, was jung ist, nicht aus
dem Erfahrenen, von Menschenmeinung
Verzogenen, es leuchtet aus dem, was nahe
am Quell wohnt, aus Günsel,
Kastaniendolden, einfachem Gras,
aus dem Flug einer Biene,
selbst aus Steinen.

Am Rand der Sterneninsel
sind Margeriten erblüht, zirpen Grillen,
öffnen sich Augen groß
in das Geheimnis des Lebens,
das offenbar wie der Himmel ist,
wenn du es anblickst, wenn du in die Augen
des Gegenübers blickst,
der es auch sieht,
in dir.

Schon das Kleinkind patscht seine Hände
und lacht. Doch zu sehen
ist schwer. Vielleicht lernt ein Mensch das,
wenn er zu sterben beginnt. Vielleicht heißt sterben
Wahrheit werden, so wie Wasser sein strömen heißt,
auch in der Tiefe des Sees.
Wie schwerelos gleit ich manchmal
im Traum. Bunte Fische
stupsen mich an.


Volker Friebel, Teil 3 der Lyrik-Sequenz „Hölderlin in Tübingen“ aus seinem Buch „Manchmal Tau“ (2019)